
Die iranische Journalistin und Frauenrechtlerin Masih Alinejad ist in Frankfurt am Main mit dem ersten Europäischen Paulskirchenpreis für Demokratie ausgezeichnet worden. Die Stadt Frankfurt knüpft die neue, mit 50.000 Euro dotierte Ehrung an das 175-jährige Jubiläum der Paulskirchenversammlung, das 2023 begangen wurde. Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) überreichte den Preis in der Paulskirche, der historischen Wiege der deutschen Demokratie.
Die Laudatio hielt auf ausdrücklichen Wunsch der Preisträgerin Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU). Sie würdigte Alinejad als "Stimme für Millionen Frauen" und betonte, der Freiheitskampf im Iran sei "kein westlicher Export in dieses Land", sondern Ausdruck des eigenen gesellschaftlichen Aufbegehrens. Alinejad, so Klöckner, sei "eine Frau, für die im Iran kein Platz vorgesehen war" und zeige, dass Gehorsam nicht naturgegeben sei. Im Iran könne ein Stück Stoff darüber entscheiden, ob eine Frau frei sei oder verfolgt werde.
Alinejad setzt sich seit Jahren unter hohem persönlichem Risiko für Freiheit, Menschenrechte und insbesondere die Rechte von Frauen im Iran ein. Internationale Bekanntheit erlangte sie 2014 mit der Kampagne "My Stealthy Freedom", in der sie Frauen ermutigte, Fotos ohne Hijab zu veröffentlichen. Seit 2009 lebt sie im Exil in den USA und berichtet von mehrfachen Entführungs- und Mordversuchen gegen ihre Person. Erst wenige Tage vor der Verleihung habe es nach ihren Angaben einen weiteren Tötungsversuch gegeben; der US-Geheimdienst habe ihr abgeraten, zur Zeremonie nach Frankfurt zu reisen.
Trotz dieser Bedrohung nahm Alinejad den Preis persönlich entgegen – nach eigenen Worten mit gemischten Gefühlen. Die Auszeichnung rühre sie, zugleich denke sie an jene in ihrer Heimat, die für dieselben Werte ihr Leben riskierten oder verloren hätten. "Ich möchte diesen Preis den mutigen Frauen und Männern widmen, die für einen freien Iran kämpfen", sagte sie. Der Anblick von Frauen und Männern, die in der Paulskirche Schulter an Schulter sangen, habe sie zu Tränen gerührt: In ihrem Land dürften Frauen nicht singen, ihnen drohe Gefängnis. Sie könne Deutschland kritisieren und zurückkehren, das sei Demokratie – und genau das wünsche sie sich für ihr eigenes Land.